Wilhelm Horn

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Titelblatt des Photographischen Journals 1858

Wilhelm Horn (* 10. April 1809 in Böhmisch Leipa; † 15. Oktober 1891 in Böhmisch Leipa), Böhmischer Fotopionier deutscher Abstammung, k.k. Baubeamter, Daguerreotypist, Fotograf, Publizist und Fotohändler in Prag und Wien.

Familie

Wilhelm Horn wurde im Hause Nr. 107 in Böhmisch Leipa als Sohn eines Uhrmachermeisters geboren. Nach dem Tod seiner Frau, einer geborenen Melzer, heiratete er seine 15-jährige Cousine Susan Beckert. Er hatte Nachkommen.

Werdegang

  • Nach dem Abitur studierte Horn 1825–1829 am Polytechnischen Institut in Wien und anschließend an der Architekturabteilung der Wiener Akademie, wo er am 13. August 1831 den Jahrespreis gewann. Ab 1831 arbeitete er als Bürokaufmann für Baufirmen in Wien, Innsbruck, Brünn. 1838 zog er nach Prag und wechselte als Baubeamter in den Staatsdienst, wo er zunächst auch noch während seiner Zeit als Fotograf verblieb, so wird er 1854 als "Rechnungs-Revident" im Kreisbauamt zu Böhmisch Leipa genannt.[1]
  • Im Herbst 1839 experimentierte er mit der Daguerreotypie, und seine Helfer waren laut ihm Ferdinand Hessler und der Naturforscher Ludwig Redtenbacher. Am 3. Oktober 1841 eröffnete Horn dann ein Atelier für Daguerreotypie im „Gartenhäuschen des Gasthofes[?][2] »Zum goldenen Lamm« in der Prager Heinrichstraße, unmittelbar am Rossmarkt.“[3] Dreimal wechselte er den Standort innerhalb Prags. Die meisten signierten Daguerreotypien stammen aus dem Atelier in der Jindřišská-Straße, wo er seit 1847 auch wohnte.
  • 1854 begann er mit der Herausgabe der ersten deutschsprachigen fotografischen Zeitschrift "Photographisches Journal", dessen Artikel er größtenteils selbst verfasste und dazu Ausstellungen in ganz Europa besuchte. Während der Reisen wurde der „Glassalon am Pulverturm“, wohin er sein Atelier verlegt hatte, von Assistenten wie dem Miniaturisten Antonín Řehula geleitet. Im selben Jahr 1854 gründete er ein Handelsgeschäft mit fotografischem Zubehör.
  • 1858–1864 wohnte er in Wien, am Kohlmarkt und leitete von dort seinen Fotohandel und die Herausgabe der Zeitschrift.
  • Nachdem er eine Konzession für Landschaftsaufnahmen im gesamten Königreich Böhmen erhalten hatte, kehrt er 1865 in seine Heimatstadt Böhmisch Leipa zurück, wo er schon 1863 das Haus Nr. 358 gekauft hatte und richtete sich ein Atelier in der Zdislavy Straße ein. Das Geschäft in Prag übernahm um 1865 sein Schwager Wilhelm Melzer.
  • Eine Kuriosität: Am 23. Oktober 1869 erhält der Chemiker Wilhelm Horn aus Leipa in Böhmen vom königlich Bayrischen Ministerium des Inneren die Genehmigung für sein "Geheimmittel Liton" zur Behandlung von Zahnschmerzen. Als unüberschreitbarer Verkaufspreis werden pro Fläschchen 3 Drachmen oder 12 Kronen festgesetzt.[4]

Ateliers

  • Prag, Rossmarkt (Zum goldenen Lamm), Nähe Wenzelsplatz, Nr. 840 /II. Bezirk (ab 1841)
  • Prag,Jindřišská-Straße Nr. 907 /II. Bezirk (ab 1847)
  • Prag, Ort Na příkopě Nr. 969 /II. Bezirk = Glassalon am Pulvertum (ab 1854)
  • Wien, Am Kohlmarkt, gegenüber von Daums Kaffeehaus
  • Böhmisch Leipa, Wiedengasse Zum Tempel

Literatur

  • Rolf Sachsse, "Horn, Wilhelm (1809–1891)". In: John Hannavy, Encyclopedia of Nineteenth-Century Photography. New York: Routledge 2007, S. 714-715.
  • Fritz Kempe. Daguerreotypie in Deutschland. Vom Charme der frühen Fotografien. Seebruck am Chiemsee: Heering 1979, S. 24-25.
  • Silber und Salz – Zur Frühzeit der Photographie im deutschen Sprachraum 1839–1860 [Katalogbuch zur Jubiläumsausstellung 150 Jahre Photographie], herausgegeben von Bodo von Dewitz und Reinhard Matz. Edition Braus, Köln und Heidelberg 1989, ISBN 3-925835-65-2.
  • Christoph Kaufmann, Der gefrorene Augenblick. Daguerreotypie in Sachsen 1839-1860. Inkunabeln der Photographie in sächsischen Sammlungen. Gemeinsamer Bestandskatalog "Daguerreotypie". Chemnitz: Edition Mobilis 2004, S. 110-111.

Fotos

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Personalstand des k.k. Ministeriums für Handel, Gewerbe und öffentliche Bauten. Wien 1854, S. 112. 1850 war er in gleicher Funktion im Kreisbauamt Pilsen tätig.
  2. "Gasthof" ist fraglich, da fast alle Häuser damals noch Namen hatten - und ebenso kann "Gartenhäuschen" daraus geschlussfolgert sein, denn in einem Gasthof kann man ja kein Fotoatelier haben. Ich habe diesbezüglich so meine Erfahrungen mit Ausstellungskatalogen gemacht.
  3. Christoph Kaufmann, S. 110 (s. Literatur)
  4. Königlich Bayerisches Kreis-Amtsblatt von Schwaben und Neuburg 1869, S. 133.

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