Ernst Sonntag

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Ernst Sonntag (links) im Gespräch mit Prof. Bruno Meyer-Berlin (rechts) auf der Ausstellung des Deutschen Photographen-Vereins 1903 in Düsseldorf.

Ernst Julius Sonntag (* 1. Juli 1860 in Freiberg, Sachsen; † 20. Mai 1928 in Dresden-Trachau), Fotograf in Dresden 1883–1928.

Familie

Ernst Sonntag war ein Sohn des Freiberger Schuhmachermeisters Carl Gottlob Sonntag und seiner Frau Henrietta, geb. Wiessner. Er heiratete 1883 in Dresden Adelheid Holzwarth.[1] Das Paar hatte 6 Kinder. Der älteste Sohn Ernst Johannes Sonntag (* 14. Jan. 1884) heiratete am 18. Mai 1907 in Dresden Klara Martha Herrmann (* 4. Febr. 1887)[2]

Werdegang

  • Zunächst Besuch der Bürgerschule seiner Heimatstadt Freiberg/Sachsen, anschließend Lehre des Fotografenhandwerks beim Hoffotografen Hugo Thiele, Dresden, Pragerstraße.
  • Sonntag war dann als Gehilfe in verschiedenen "ersten" Geschäften tätig. 1879 widmete er sich der Reproduktionsfotografie und war 3 Jahre lang Operateur bei der Firma Römmler & Jonas in Dresden.[3]
  • Von 1884-1897 hatte er ein Atelier nahe dem Alberttheater in der Äußeren Neustadt gemietet, im Hintergebäude der Alaunstraße 14.
  • Seit 1895 lebte er in Trachau, wohin er 1898 dann sein Atelier verlegte. In der Ahornstraße 7, 1904 umbenannt in Marsdorfer Straße, heute Dorothea-Erxleben-Straße, lebte und arbeitete er im zweiten Obergeschoss der Villa Adelheid, die ihm gehörte.
  • 1906 bezog Sonntag ein neu erbautes Haus, errichtet auf dem rückwärtigen Teil seines Grundstücks, mit der Adresse Virchowstraße 32. Auch dort arbeitete und wohnte er im zweiten Obergeschoss.
  • Ab 1907 besaß er auch das in der Nähe gelegene Haus Wilder-Mann-Straße 63. Im Parterre und ersten Obergeschoss betrieb er die „Vereinigten Fachschulen für Photographie und Malerei“ (gegründet um 1890[4] oder 1903[5]), die im Dresdner Adressbuch von 1918 mit folgendem Text warb: "Photographische Werkstätte für Architektur, Industrie, Maschinen, Fabrikanlagen, Kunstgewerbe, Skulpturen, Gemälde - Vergrößerungen, Porträt-Atelier u. Fachschule". Die Fachschule wurde am 1. Oktober 1910 vom Fachfotografen J. Müller und dem akad. Maler G. Matthes übernommen und unter dem Namen "Firma Müller & Matthes, Vereinigte Fachschule für Photographie und Malerei" weitergeführt [4] – aber nur für ein Jahr. 1911 übernahm Ernst Sonntag wieder die Fachschule.[6]
  • Am 15. April 1908 beging Sonntag sein 25-jähriges Geschäftsjubiläum, sowie seine silberne Hochzeit.[7] Er war noch bis zu seinem Tod am 20. Mai 1928 tätig.

Werk

  • Ernst Sonntag hat immer wieder daran gearbeitet, die technischen Möglichkeiten der Fotografie zu erweitern, z.B. Aufnahmen bei Gaslicht.[8] Dabei hat er mit dem Dresdener Altmeister der Fotografie, Hermann Krone zusammengearbeitet. Er war ein profund ausgebildeter und technisch sehr versierter Fotograf, was sich nicht zuletzt in der Gründung einer fotografische Fachschule niederschlug.
  • Sonntag hat in den 1890er und 1900er Jahren künstlerische Fotos (Landschaften, Stillleben, aber auch Porträts) angefertigt, mit denen er an Ausstellungen (Wettbewerben) teilnahm, auf denen er z.T. auch als Preisrichter fungierte.[9] Diese Fotos sind z.T. geprägt von dem in der damaligen Amateurfotografie vorherrschenden Piktoralismus und wurden vereinzelt in Fachzeitschriften abgedruckt.[10]
  • 1883 fertigte Sonntag eine Serie von Fotos mit Park- und Schloßansichten in Dresden an, die etwas später von Dorn und Merfeld, Lichtdrucker & Verleger im Kabinettformat und als Leporello publiziert wurden.[11]

Ateliers

  • Dresden, Alaunstraße 14 (1883–1897)
  • Dresden-Trachau, Ahornstraße 7, Villa Adelheid (1898–1906)
  • Dresden-Trachau,Virchowstraße 32 (ab 1907)
  • Dresden-Trachau, Wilder-Mann-Straße 63 (1907–1922)
  • Wesel, Baustraße (Filiale, 1905 Übernahme vom Vorgänger Wilhelm Meyer[12], bestand noch 1916), scheinbar auf die dortige Garnison spezialisiertes Fotostudio.
  • Bocholt, Ravardithor gegenüber der Stadtkasse / Ravardistr. 222 (Filiale, Adressbuch 1897)

Mitgliedschaften

  • Sonntag wurde Anfang 1908 Mitglied des Sächsischen Photographen-Bund (E.V.)[7]
  • 1907 Berufung zum Vorsitzenden der "Sachverständigen-Kammer für Werke der bildenden Künste" in Dresden.[13]

Auszeichnungen

  • 1894 Prämierung des Fotos "Heimkehr vom Felde" im Preisausschreiben der Photographischen Rundschau[14]
  • 1900 Preis der E. Bieber-Stiftung (29. Wanderversammlung der deutschen Photographen-Vereins in Berlin)[15]

Literatur

  • Horst Milde, Dresdner Atelier-Fotografie zwischen 1860 und 1914. Dresden 1991, S. 165, Nr. 529.
  • Wolfgang Hesse, Timm Starl (Hrsg.): Der Photopionier Hermann Krone. Photographie und Apparatur. Bildkultur und Phototechnik im 19. Jahrhundert, Marburg: Jonas 1998, S. 28, 58

Fotos

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stadtarchiv Dresden, 6.4.25, Standesamt Dresden I, Eheregister, 1883, Nr. 80
  2. ancestry.de Standesamtsregister Dresden
  3. Photographische Korrespondenz, Band 57 (1920), S.47.
  4. 4,0 4,1 Photographische Chronik Band 17 (1910), S. 558.
  5. Wolfgang Hesse, Timm Starl, Der Photopionier Hermann Krone. Marburg: Jonas 1998, S. 28.
  6. Photographische Chronik, Band 18 (1911), S. 497.
  7. 7,0 7,1 Photographische Chronik Band 15 (1908), S. 6, S. 91.
  8. Richard Jahr, Porträtaufnahmen bei Gas-Glühlicht. In: Photographische Korrespondenz, Band 45 (1908), Nr. 579 (Dezember 1908), S. 545-547.
  9. Beispiele der künstlerischen Fotos: Gänseherde, Damenbildnis, Flusslandschaft und Abendstimmung.
  10. Photographische Korrespondenz, Band 49 (1912), Nr. 627 (Dezemberheft), Beilage "Winterstudie".
  11. Park- und Schloßansichten, Dresden 1883 (Deutsche Fotothek).
  12. Photographische Chronik, Band 12 (1905), S. 673
  13. Regierungsblatt für Mecklenburg-Schwerin 1907, S. 259.
  14. Photographische Rundschau. Centralblatt für Amateurphotographie, Band 8 (1894), Heft 7, S. 219.
  15. Photographische Chronik, Band 7 (1900), S. 441.
  16. i.e. was nicht durch Fußnoten belegt ist, stammt überwiegend aus dieser Quelle.