Arno Kersten

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Agnes und Arno Kersten

Arno Kersten (* 15. Juli 1838 in Altenburg; † 9. Mai 1915 in Altenburg), Fotograf in Altenburg 1867–1899.[1]

Familie

Arno Kersten war ein Sohn von Heinrich Friedrich Lebrecht Kersten und Natalie Kersten geb. Schlegel. Er heiratete am 16. Juli 1863 in Altenburg die ein Jahr ältere Agnes Laura Bergt. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, drei Mädchen und zwei Jungen. Der Sohn Friedrich Otto (* 7. Oktober 1868) übernahm das Atelier des Vaters.

Werdegang

  • Seine erste geschäftliche Tätigkeit in Altenburg lässt sich im Mai 1862 nachweisen. Gemeinsam mit Hofgürtlermeister Hermann A. Köhler führte er eine Silberspiegelfabrik in der Amalienstraße Nr. 1097. Er handelte aber auch mit Möbelstoffen und Tapeten. 1863 scheint sich das Spiegelgeschäft auf eine Spiegel- und Rahmenmanufaktur mit einer ganzen Palette von Produkten zu vergrößern.
  • Neben dem Manufakturgeschäft betrieben Kersten und Köhler eine Auswanderungsagentur und ab 1863 auch Versicherungsbüro für die Deutsche Phönix Versicherungs-AG. Im April des gleichen Jahres machten sich geschäftliche Veränderungen bemerkbar. Zur Hälfte reduziert, kam es ab April zum Ausverkauf des Tapetenlagers. Die bisher gemeinsam mit H. A. Köhler geführte Spiegelfabrik wurde dem bisher wahrscheinlich als Angestellten arbeiteten Theodor Brauer übergeben, welcher das Geschäft in vollem Umfang übernahm. Im Juli 1865 übergab Arno Kersten die Verträge mit den Versicherungsgesellschaften an seinen bisherigen Geschäftspartner Herrn Köhler ab. Kersten verließ nun Altenburg für kurze Zeit.
  • Am 9. Juli 1867, inzwischen nach Altenburg zurückgekehrt, übernahm er das Photographische Atelier von Bruno Blücher am Markt Nr. 241, welches dieser 1864 gegründet hatte. In diesem Atelier betrieb Arno Kersten für fünf Jahre seine Geschäfte.
  • Im April 1869 zog er mit seinem Atelier in den Johannisgraben Nr. 390 um. Hier ließ Kersten in kurzer Bauzeit sein neues, in einem repräsentativen Stil gestaltetes Atelier errichten. Der Bau entsprach den damaligen Erfordernissen eines modernen photographischen Salons. Die Atelierräume waren den eigentlichen Wohnräumen im Souterrain übergeordnet und in der ersten Etage zu finden. Um gute Lichtverhältnisse zu erreichen, befand sich das große Atelierfenster des Salons auf der Nordseite des Gebäudes. Neben dem Salon ordnete Kersten noch ein Empfangszimmer, eine Garderobe, ein Mädchenzimmer und ein Laboratorium an, in das die Dunkelkammer integriert war.
  • In der Zeit zwischen 1870 und 1874 fertigte Arno Kersten jährlich zwischen 1.018 und 1.206 Aufnahmen an. Beleg dafür sind die noch vorhandenen Plattenregister des Ateliers, anhand deren auch das Klientel, das die Dienste des Ateliers in Anspruch nahm, nachvollziehbar ist. Die Kunden kamen aus allen Schichten. Man kann auf Grund der vorliegenden Quellen zwischen verschiedenen Gesellschaftsgruppen unterscheiden. Zu seiner Kundschaft gehörten sowohl der Bauer des Altenburger Landes, das Militär, Kaufleute, Handwerker, Künstler, Dienstboten, als auch die Altenburger Oberschicht, der Adel und die herzogliche Familie.
  • Anhand des Plattenregisters des Ateliers aus der Zeit von 1870 bis 1894 wurde eine Aufnahmestatistik erstellt. Arno Kersten fertigte demzufolge im Durchschnitt pro Jahr rund 1.000 Aufnahmen an. Das Jahr mit der höchsten Anzahl an Aufnahmen war 1890. Der erhöhte Umsatz beruht auf einem bestimmten Ereignis in der Residenzstadt.
  • Am 3. und 4. Mai 1890 fanden in Altenburg die sogenannten Kaisertage statt. Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria besuchten Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg und seine Frau Herzogin Agnes. Aus diesem Anlass veranstaltete der Bauernstand sein traditionelles Bauernreiten, zu dem aus den umliegenden Gemeinden des Altenburger Landes die Bevölkerung in die Stadt kam. Da man sich in bester Tracht zeigte, führte der Weg vor oder nach dem Umzug zum Fotografen. Hier erfolgten Aufnahmen zu Pferde und mit Kutsche, Einzelportraits und auch Gruppenaufnahmen. Alle diese Aufnahmen, die in großer Anzahl im Nachlass existieren, sind heute eine Beleg für den Stolz der damaligen Landbevölkerung.
  • Sowohl Arno Kersten als auch der Fotograf Robert Lanzendorf, sein größter Konkurrent in Altenburg, zeichneten sich neben der Portraitfotografie besonders durch Architekturaufnahmen aus, die in der Residenzstadt Altenburg entstanden. Beiden ist es zu verdanken, dass eine große Anzahl von Gebäuden, Straßen und Plätzen im Bild festgehalten wurden.
  • In der Stadtgesellschaft Altenburgs hatte Arno Kersten als Privatunternehmer eine gefestigte Position. Zeitweilig gehörte er sogar dem Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft Altenburger Straßenbahn- und Elektrizitätsgesellschaft an und war in verschiedenen Vereinen wie der Gartengesellschaft Concordia, dem Kunstgewerbeverein, dem Kunstverein und dem Männerturnverein * Altenburg organisiert.
  • 1899 zog sich Arno Kersten aus dem Geschäft zurück und übergab es am 1. März 1899 seinem Sohn Otto Kersten.
Fotoatelier Kersten, um 1885

Ateliers

  • Altenburg, Am Markt 241 (1867–1869)
  • Altenburg, Johannisgraben 390 (1869–1874)
  • Altenburg, Albrechtstraße 9 (ab 1874)
  • Meerane (Filiale, ohne Fotobeleg)

Auszeichnungen

  • Am 23. September 1871 Ernennung zum Hoffotografen Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg.

Fotos

  • Anton Kersten in der Deutschen Fotothek (sage und schreibe 712 Fotos)

Weblinks

Nachlass Atelier Arno Kersten

Der Nachlass des Ateliers Kersten befindet sich in den Sammlungen des Residenzschlosses Altenburg und umfasst in seiner Gesamtheit den fotografischen Nachlass der Familien Arno und Otto Kersten, als auch des Ateliers Joseph Bernath. In der Geschichte des Schloss- und Spielkartenmuseums war die 1992 erfolgte Übereignung des Nachlasses durch die Nachfahren Joseph Bernath in die Bestände des Schloss- und Spielkartenmuseums im Residenzschloss Altenburg ein wichtiger und bedeutender Zuwachs der fotografischen Sammlung. Zum übernommenen Nachlass gehören 600 Stück Glasnegative im nassen Kollodiumverfahren und ca. 19.400 Stück Gelantinetrockenplatten in unterschiedlichen Formaten. Weiter zählen größere Mengen an Zellulosenitrat-, Azetat- und Polyesterfilm zum Nachlass des Ateliers. An Papierabzügen finden sich Salzpapiere und eine größere Anzahl von Albuminpapieren mit und ohne Kartonträger sowie Gelantinesilber-/Barytpapier in unterschiedlichen Formaten. Die übernommenen Negative und Fotografien reichen dabei über einen Zeitraum von 1870 bis ca. 1970. Weiterhin finden sich Glaspositive von ca. 1885 bis in die 1950iger Jahre hinein. Als Besonderheit darf dabei auch die Übernahme der Plattenregister des Ateliers von 1870 bis 1953 gelten. Weitere Teile des Nachlasses bilden Fototechnik sowie Geschäfts- und Privatpapiere.[2]

Einzelnachweise

  1. Text leicht gekürzt aus dem von Uwe Strömsdörfer erstellten Künstlerdatensatz in der Deutschen Fotothek übernommen.
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Uwe_Str%C3%B6msd%C3%B6rfer/Artikelentwurf

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